Die Re:publica besuche ich nun schon zweiten Mal in Folge. Der Standortwechsel vom Friedrichstadtpalast in die
Station - dem alten Berliner Postbahnhof - gefällt mir ganz gut. Und mein Sessionplan war von früh morgens bis spät abends bis aufs Letzte gefüllt.
Bullshit-Bingo bei der Eröffnungsrede
Nachdem die Gründer der Re:publica eine kurze Eröffnungsrede hielten, die mehr einen Vorgeschmack auf die nächsten drei Tage geben sollte, trat der Staatssekretär der Berliner Regierung Christoph von Knobelsdorff auf die Bühne. Was dann folgte war eine politische Rede voller Phrasen. Grund genug für eine Runde Bullshit-Bingo. Gerade als Knobelsdorff Berlin als das europäische Silicion Valley bezeichnete, rief ein Mann in einer hinteren Reihe "Bingo!". Während der Redner leicht verunsichert wirkte, lachte die Netzgemeinde ganz nach meinem Geschmack.
Ernüchternde Kreativität
Die erste Session des Tages
"Creative Internet Business: Made in Germany?" hat mich allerdings nicht überzeugt. Während sich im Netz in Sachen Aktivismus immer mehr tut, sieht es mit kreativen Internetgeschäftsmodellen eher mau aus. In der Session wurden meines Erachtens viel zu viele Phrasen verwendet("Deutschland hat Potenzial", "Wir sollten uns auf die Stärken konzentrieren", etc.) und keine wirklichen Inhalte geliefert. Eigentlich schade, ist das Thema doch ein recht spannendes!
Fleißarbeit über den Computeruser
Zwei nette Damen hatten sich die Mühe gemacht den
wandelnden Computeruser aus den Jahren 1945 bis 2012 vorzustellen. Durchaus interessante Einblicke in Bezug auf den körperlichen und geistlichen Wandel des Users.
Besser als Medienrechts-Vorlesungen
Udo Vetter schilderte in der nächsten Session die
Spielregeln im Netz und gab wichtige medienrechtliche Tipps mitunter auch an guten Praxisbeispielen erklärt. Diesen Mann hätte ich gerne als Dozenten bei meinen Medienrechtsvorlesungen während des Studiums gehabt. Klasse!
Selfpublishing oder klassischer Verlag?
Um diese Frage drehte sich alles bei der nächsten Session
"Selfpublishing". Verschiedene Autoren sprachen in einer Diskussionsrunde über ihre Wege einer Buchveröffentlichung - entweder dem Selfpublishing oder über einen Verlag. Zum Fazit: Die Art der Veröffentlichung sollte auf den Autor zugeschnitten sein. SElfpublishing oder klassischer Verlag - beides ist möglich. Was ich interessant fand, war der Hinweis, dass egal welchen Weg man geht, man sich stets um seine Leser und Follower kümmern sollte und muss.
Journalistische Innovationslabore vs. altbackenes Zeug
Bei der Session
"Innovationslabore des Journalismus - der Funke springt über" hatten mehrere Sessionbesucher das Gefühl altbackenes Zeug zu hören. Zum einen muss ich der Mehrheit Recht geben. Dass jedoch manche Verleger bzw. Verlage noch radikal hinterher hinken, muss man auf der anderen Seite auch beachten. Sich mit dem Thema weiter zu beschäftigen, halte ich aber für sinnvoll.
Leetspeak und Ragefaces - Ähmmm ja?
Diese zwei Worte lockten mich in die nächste Session
"Von Leetspeak und Ragefaces- Die Kultur des Internets". Denn um ehrlich zu sein hatte ich bis dato noch nichts von diesen beiden Begriffen gehört. Jetzt weiß ich, dass Leetspeak eine Art Geheimcode ist, bei dem Buchstaben durch ähnlich aussehende Ziffern ersetzt werden. Und Ragefaces Arten von Comics sind. Vom Rest der Session habe ich allerdings nicht viel verstanden. Insgeheim denke ich auch, dass vieles Gesprochene an den Haaren herbei gezogen wurde. Aber das sagt ein Laie.
Twittern aus dem All
Die vorletzte Session des Tages beschäftigte sich mit der
digitalen Öffentlichkeitsarbeit aus dem All. Zwei Astronauten zeigten und erklärten wie sie aus dem All twittern und Soziale Netzwerke betreiben. Mal was anderes.
Last but not least: Sascha Lobo
Der Überraschungsvortrag von Sascha Lobo war dann mein persönlich Highlight des Tages. Der Mann mit dem Irokesenschnitt mag manchmal Witziges und Abwertendes erzählen, und doch steckt in jeder Aussage ein Fünkchen Wahrheit drin. Dieses Mal widmete er sich dem Stand des Internets im Jahr 2012. Während Pinterest und Google Plus auf der Egalheitsskala landeten, Facebook einen enormen Aufschwung erlebt, Twitter beim Abfallen ist und er das für ihn schlechteste Instagram-Foto zeigte forderte er die Internetpeople auf wieder mehr zu Bloggen. "Nur ein Blog gehört wirklich dir. Alles andere ist nur geborgt", erklärt Lobo. Wie wahr! Großartiger Vortrag!
Bin gespannt auf Tag 2 der Re:publica.
cynthia - 3. Mai, 01:34 - Rubrik: Internetz